Japanische Forschende arbeiten an einer Technologie, die die Zahnmedizin grundlegend verändern könnte. Ein neu entwickeltes Medikament soll künftig das Wachstum natürlicher Zähne ermöglichen und damit eine völlig neue Behandlungsoption neben Implantaten und Prothesen schaffen. Die erste klinische Studie am Menschen wurde bereits abgeschlossen.
Grundlage der Entwicklung ist das Protein USAG-1, das nach Erkenntnissen der Wissenschaftler die Bildung neuer Zähne hemmt. Durch die gezielte Blockierung dieses Proteins soll der Körper angeregt werden, natürliche Zahnanlagen zu entwickeln.
Bereits frühere Tierversuche lieferten vielversprechende Ergebnisse. Nach der Hemmung von USAG-1 bildeten Mäuse neue Zähne – ein Erfolg, der den Weg für klinische Studien am Menschen ebnete.
Im Rahmen der ersten Studie wurde das Medikament TRG035 an 30 gesunden Männern im Alter zwischen 30 und 65 Jahren getestet, die mindestens einen Backenzahn verloren hatten. Ziel dieser ersten Phase war es vor allem, die Sicherheit und Verträglichkeit verschiedener Dosierungen zu untersuchen.
Studienleiter Katsu Takahashi bezeichnet die Möglichkeit, neue Zähne wachsen zu lassen, als einen langjährigen Traum der Zahnmedizin. Gleichzeitig betont er, dass die neue Therapie bestehende Behandlungsmethoden wie Implantate oder Prothesen nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen soll.
Zunächst möchte das japanische Unternehmen Toregem BioPharma die Behandlung bei Menschen einsetzen, die aufgrund einer seltenen angeborenen Erkrankung mehrere bleibende Zähne nicht entwickeln. Erst später könnte die Technologie auch für Patientinnen und Patienten interessant werden, die Zähne durch Karies, Unfälle oder altersbedingte Veränderungen verloren haben.
Trotz der vielversprechenden Ergebnisse mahnen die Forschenden zur Vorsicht. Bislang gibt es noch keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass das Medikament beim Menschen vollständig entwickelte, funktionstüchtige und korrekt positionierte Zähne nachwachsen lassen kann.
Als Nächstes folgt die zweite Phase der klinischen Studien in Japan. Sollte die Entwicklung erfolgreich verlaufen, plant Toregem BioPharma, die neue Therapie bis zum Jahr 2030 zur Anwendung zu bringen.
Gelingt dies, könnte die Methode einen der bedeutendsten Fortschritte der modernen Zahnmedizin darstellen und künftig Millionen Menschen eine völlig neue Möglichkeit zur Behandlung von Zahnverlust eröffnen.
